ADHS und Demenz: Wie Eisen im Gehirn einen Zusammenhang erklären könnte – eine neue Studie.

Ein rätselhaftes Duo: ADHS und Demenz

Die Forschung hat schon länger einen beunruhigenden Zusammenhang aufgezeigt: Erwachsene mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) scheinen ein erhöhtes Risiko für altersbedingte Demenzerkrankungen wie Alzheimer zu haben. Was genau diese Verbindung ausmacht, blieb lange im Dunkeln. Doch eine internationale Forschergruppe hat nun einen vielversprechenden Hinweis gefunden, der Licht in dieses komplexe Zusammenspiel bringen könnte. In einer aktuellen Studie, die von medizinischer Physikerin Jatta Berberat von der Universität Genf geleitet wurde, konzentrierte man sich auf eine subtile, aber möglicherweise entscheidende Komponente: Eisen.

Eisen: Mehr als nur ein Mineral im Gehirn

Das menschliche Gehirn lagert im Laufe des Lebens kontinuierlich Eisen ein, sowohl im Neokortex (der etwa 90 Prozent der Großhirnrinde ausmacht) als auch in tiefer liegenden Gehirnbereichen wie dem Hippocampus, dem Kleinhirn, der Amygdala und den Basalganglien. Ein Zuviel an Eisen, so die aktuellen Erkenntnisse, kann in bestimmten Gehirnregionen zu oxidativem Stress und neuronaler Degeneration führen – ein Kennzeichen vieler neurodegenerativer Erkrankungen. In der Vergangenheit wurde bereits festgestellt, dass Menschen mit Krankheiten wie Huntington, Parkinson und Alzheimer erhöhte Eisenwerte im Gehirn aufweisen. Diese Häufung kann mittels MRT-Scans relativ einfach nachgewiesen werden, da Eisen magnetische Eigenschaften besitzt.

Eisenverteilung als Schlüssel zur ADHS-Demenzerkrankungs-Brücke

Das Forscherteam nutzte diese Technik, um die Verteilung von Eisen in den Gehirnen von 32 Erwachsenen mit ADHS und 29 Kontrollpersonen ohne ADHS zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigten eine deutliche Differenz: ADHS-Teilnehmer wiesen eine signifikant andere Eisenverteilung auf, mit besonders erhöhten Werten in der prämotorischen Rinde und anderen Regionen des Gehirns. Diese Unterschiede könnten einen wichtigen Puzzleteil im Verständnis des ADHS-Demenzerkrankungs-Risikos darstellen.

Die Rolle von Neurofilamenten

Zusätzlich zu den MRT-Untersuchungen entnahm das Team Blutproben, um die Konzentration von Neurofilament-Leichtketten-Proteinen (NfL) zu messen. NfL ist ein Protein, das bei Schädigung oder Degeneration von Axonen (den Nervenfasern, die Informationen weiterleiten) freigesetzt wird. Erhöhte NfL-Werte im Blut können somit ein Hinweis auf eine beginnende neurodegenerative Erkrankung sein. Die Studie ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen erhöhten Eisenwerten in der prämotorischen Rinde bei ADHS-Teilnehmern und erhöhten NfL-Werten in ihrem Blut. Dies könnte bedeuten, dass die Eisenablagerungen in dieser Hirnregion die Kommunikation stören und somit zur neuronalen Schädigung beitragen.

Medikamente im Visier: Ein potenzieller Faktor?

Von den ADHS-Teilnehmern nahmen 19 regelmäßig Medikamente gegen ihre Erkrankung ein, entweder Methylphenidat (Ritalin) oder Dexamphetamin. Da Stimulanzien wie MDMA und Kokain nachweislich die Eisenwerte im Gehirn beeinflussen, spekulieren einige Wissenschaftler, dass eine langfristige Einnahme dieser Medikamente einen Teil des ADHS-Demenzerkrankungs-Risikos ausmachen könnte. Es gibt jedoch auch Studien, die darauf hindeuten, dass ADHS-Medikamente die Eisenwerte im Gehirn normalisieren könnten. Die Langzeitwirkungen sind jedoch noch unklar. Die aktuelle Studie ist zu klein, um endgültige Aussagen über die Rolle von ADHS-Medikamenten treffen zu können.

Ausblick und weitere Forschung

Trotz der begrenzten Größe der Studie hoffen die Forscher, dass ihre Ergebnisse den Weg für gezielte Strategien zur Risikoreduzierung von Demenz bei Menschen mit ADHS ebnen werden. Dies ist insbesondere wichtig, da es einen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Lebensstil und veränderten Eisenwerten im Gehirn gibt. Um diese Strategien zu entwickeln und zu validieren, sind weitere Längsschnittstudien erforderlich, die untersuchen, ob eine Senkung der Eisenwerte im Gehirn einen potenziellen Behandlungsweg zur Vorbeugung von Demenz im fortgeschrittenen Alter bei Menschen mit ADHS darstellen könnte. Die Forschung steht also erst am Anfang, aber die Erkenntnisse über die Rolle von Eisen im Gehirn könnten in Zukunft helfen, das komplexe Zusammenspiel zwischen ADHS und Demenzerkrankungen besser zu verstehen und möglicherweise neue Therapieansätze zu entwickeln.

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Mickael S.

Redakteur bei royalfuchs.de

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