Seit seinem Rückzug von Apple im Jahr 2019 war es still um Jony Ive, den Visionär hinter dem ikonischen Design des iPhones. Nun meldet er sich mit einem spektakulären Comeback zurück – an der Seite von Sam Altman, CEO von OpenAI. Gemeinsam verfolgen sie ein Ziel, das nicht weniger ehrgeizig ist als die Neuinterpretation des persönlichen Technologiegeräts. Statt Bildschirme zu perfektionieren, wollen sie sie überflüssig machen – zugunsten eines intelligenten Alltagsbegleiters auf KI-Basis.
Die bisher geheime Designfirma „io“, gegründet von Ive, wurde kürzlich für 6,5 Milliarden Dollar von OpenAI übernommen. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Deal im Silicon Valley klingt, könnte sich als einschneidender Wendepunkt in der Entwicklung von Benutzertechnologien erweisen.
Weg vom Bildschirm – hin zur nativen Intelligenz
Der Fokus des Projekts liegt auf einem radikalen Paradigmenwechsel: Das Gerät wird nicht um einen Bildschirm herum gebaut, sondern um künstliche Intelligenz. Anders als bei bisherigen digitalen Assistenten, die in Smartphones oder Lautsprechern stecken, soll die KI – konkret ChatGPT – zum Herzstück der Hardware werden. Ziel ist es, ein Gerät zu erschaffen, das aktiv, aber unauffällig den Alltag begleitet.
Der Prototyp, so berichtet das Wall Street Journal, ist weder ein Smartphone noch eine Datenbrille. Stattdessen handelt es sich um ein „drittes essentielles Gerät“, das sich in die Umgebung einfügt – möglicherweise auf einem Schreibtisch neben einem MacBook oder in einer Jackentasche. Es soll nicht dominieren, sondern diskret unterstützen.
Technologie als Begleiter, nicht als Zentrum
Sam Altman selbst hat den Prototyp bereits getestet und nennt ihn „das coolste technologische Objekt, das je gebaut wurde“. Und doch will man bewusst keinen Hype vor dem Launch erzeugen. Die Devise lautet: so lange wie möglich unsichtbar bleiben, um Nachahmer auf Distanz zu halten.
Geplant ist der Marktstart für Ende 2026 – mit einem ambitionierten Ziel: 100 Millionen Einheiten sollen am ersten Tag verfügbar sein. Eine Größenordnung, die selbst Apples Maßstäbe sprengen würde. Das lässt erahnen, mit welchem Selbstvertrauen das Projekt vorangetrieben wird.
Ein Angriff auf das iPhone – oder eine Umgehung?
Apple steht weiterhin an der Spitze des Markts, mit über zwei Milliarden aktiven Geräten weltweit. Der iPhone-Konzern verfügt über unvergleichliche Produktionskapazitäten, Markenstärke und ein ausgefeiltes Ökosystem. Doch in Sachen künstlicher Intelligenz hat Cupertino bislang eher reagiert als agiert – etwa durch die Integration von ChatGPT in Siri.
Interessanterweise stammen mehrere Schlüsselpersonen des Projekts aus dem Apple-Universum, darunter die früheren Design- und Hardwarechefs Evans Hankey, Scott Cannon und Tang Tan. Sie alle arbeiten nun mit Altman und Ive an der disruptiven Vision eines post-smartphone Zeitalters.
Apple unter Zugzwang
Der neue KI-Begleiter zielt nicht darauf ab, das iPhone frontal zu ersetzen. Vielmehr verfolgt er das Ziel, die Interaktion mit Technologie in den Hintergrund treten zu lassen – fast unsichtbar, aber präsent. Während Smartphones ständig unsere Aufmerksamkeit fordern, soll dieses Gerät sich passiv integrieren und nur dann aktiv werden, wenn es wirklich nötig ist.
Der Markt hat bereits erste Versuche gesehen – etwa durch das Start-up Humane mit seinem AI Pin. Doch dessen Misserfolg zeigt, wie schwierig es ist, eine echte Alternative zu etablieren. Im Gegensatz dazu bringen Ive und Altman exzellente Kenntnisse in Hard- und Software mit – ein entscheidender Vorteil.
Ein Umbruch, den niemand ignorieren kann
Mit diesem Projekt zeichnen sich neue Machtverschiebungen in der Tech-Welt ab. Sollte das Gerät von OpenAI und LoveFrom erfolgreich sein, wird Apple reagieren müssen – nicht mit bloßer Nachahmung, sondern mit einer eigenen Vision. Der Wettlauf um das Interface der Zukunft hat begonnen. Ob Apple den Takt wieder vorgibt oder einem neuen Taktgeber folgt, bleibt offen.
